Handmade in Bangladesh | Material Neu Denken

Handmade in Bangladesh

Film von Liz Bachhuber und Florian Wehking

Auf mehrere Forschungsreisen mit den Umweltingenieur*innen der Bauhaus-Universität Weimar zur internationalen WasteSafe Conference in Khulna (Bangladesch) konzipierten und drehten Liz Bachhuber und Filmemacher und Fotograf Florian Wehking einen Dokumentarfilm über die Besuche von kleinen Firmen und „cottage industries“ in Khulna und Dhaka. Handmade in Bangladesh erzählt in kurzen Episoden von der Bevölkerung, die durch ihren reichen Kulturschatz an Kreativität und Kunsthandwerk mit immer neuen umweltschonenden Recyclingideen ihr Überleben sichert und aus dem wenigen Nichts, das sie besitzt oder findet, noch etwas macht – ganz im Sinne von „Des einen Müll ist des anderen Schatz“. Der Film zeigt einige der Gesichter und Namen der Menschen, die unter schwierigen und manchmal gefährlichen Bedingungen weggeworfenes Material in einer brauchbaren Ressource verwandeln und/oder günstige Produkte herstellen. Sie sind Teil einer Produktionskette, die den globalen Kapitalismus antreibt und letztendlich die westliche Lebensweise sichert. Handmade in Bangladesh dokumentiert den enormen Einsatz der arbeitenden Menschen und die Leidenschaft, mit der sie für ihre Zukunft, für Bildung und eine bessere Lebensweise für sich und ihre Familien kämpfen.

http://www.handmade-in-bangladesh.de/

Material Neu Denken

Vortrag von Liz Bachhuber

In ihrem Vortrag zeigt Liz Bachhuber Dokumentationen ihrer temporären Installationen im öffentlichen Raum und von ihren Skulpturen, in denen sie oft Fundstücke mit organischem Material verbindet.  Inspiriert durch die Verwendung von gebrauchtem Material in der Kunst als Archiv der Erinnerung und als kulturelles und historisches Artefakt hat Liz Bachhuber Fundstücke seit Beginn ihrer künstlerische Laufbahn in ihren Arbeiten eingesetzt. Was aus einer finanziellen Notsituation als Studentin begann, hat sich zur künstlerischen Strategie entwickelt, unterstützt und angekurbelt durch das reichhaltige Sperrmüll-Angebot auf den Straßen von Düsseldorf in den 1980er Jahren und während der Post-Wendezeit in den 1990er Jahren, als die Weimarer Bürger*innen lang gehortetes DDR-Material entsorgten. Durch zahlreiche interdisziplinäre Projekte und Exkursionen mit Umweltingenieur*innen in den 2000ern hat sich ihr Verständnis über den Wert von Material vertieft und transformiert. Neben ästhetischen politischen und inhaltlichen Überlegungen, fragt sich Liz Bachhuber heute: Inwieweit kann der künstlerische Prozess und das Kunstwerk selbst ökologisch verwertbar und vertretbar sein? Wenn wie behauptet Kunst und Leben eins sind, warum trennen wir dann brav unseren Müll Zuhause, veranstalten aber eine gedankenlose Materialschlacht wenn es um die Kunst selbst geht? Was ist der Wert von Material und wer definiert was Müll ist? Durch die Verwendung von gebrauchtem Material in ihrer Arbeit schlägt Liz Bachhuber ein alternatives Wertesystem vor und zeigt die Mechanismen des Entwertens und Ausschließens in der Kultur auf. Aus einer früheren, metaphorischen Darstellung von Naturkreisläufen in ihrer Arbeit, veränderten sich ihre aktuellen Arbeiten: Die eigene Vergangenheit als Künstlerin in Form von Texten, Skizzen, Zeichnungen und Notizen fließt in ihre neuen Arbeiten (mit Hilfe u.a. einer Wurmkiste) in verwandelter Form ein.